Mesenich a.d. Sauer

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Kapelle von Mesenich

Der nun folgende Text ist ein Aufsatz von Maria Scheuer, die diesen zur Kapelle verfasste. Er hängt heute in der Kapelle ausgehängt. Ich habe diesen nun digitalisiert.

Einst eine Gemeinschaftstat

Der Kreuzweg und die Kapelle auf dem Mesenicher Kreuzberg

Lenkt man seinen Wagen von der Mündung der Sauer über die B418, dann fährt man bald die elegante, letzte Schleife des Flusses entlang. Rechts sieht man den imposanten Mesenicher Königsberg, auf des Berges Höhe erhebt sich mit reizender Aussicht in die Nähe und in die Ferne ein Kapellchen. Es ist zu Ehren der Schmerzhaften Mutter Gottes gebaut. Da hinauf führt ein Kreuzweg, der gleich am Pfarrhaus beginnt.

Im Jahre 1902 ließ eine Familie von Mesenich bei dem Steinmetzen Thein von Grevenmacher die 14 Stationsbilder in grauweißen Sandstein arbeiten und sie den Rauhweg hinauf aufstellen. Zur Höhe geht es jetzt – wie damals -  steil und ziemlich holperig hinan; der Rauhweg hieß fortan aber Kreuz(er)weg. Die sieben ersten Stationen stehen im Weinbergsgelände: links Königsberg und Plein, rechts Plänter. Die sieben weiteren Stationen fanden in dem sich anschließenden Buchenwald Aufstellung. Von der ersten bis zur vierzehnten Station kann man gut einen Rosenkranz beten.

Am Sonntag nach Kreuzerhöhung (14. September)  genannten  Jahres bewegte sich eine große Prozession den Berg hinauf. Der damalige Pfarrer Peter Kiefer konnte den Kreuzweg kanonisch einsegnen. Inmitten der langen Doppelreihe, die vom alten Lehrer Anton Adams mit der Schuljugend angeführt wurde, schritten vierzehn weißgekleidete Mädchen; sie trugen die kleinen braunen Holzkreuze in ihren gefalteten Händen. Bei jedem Stationskreuz trat erst der Schreiner in Aktion, dann segnete der Priester Stein und Kreuz…

Ein Jahr später starb Pfarrer Kiefer und wurde in Mesenich begraben. Sein Nachfolger, Pfarrer Nikolaus Thielen kam als rüstiger Fünfziger. Er ging oft, auch mit Kindern, den Kreuzweg beten. Nach der großen Prozession zur Kreuzerhöhung sprach Pfarrer Thielen sonntags darauf die Worte der Anerkennung. Er stellte fest, dass ans Ende des Kreuzerweges ein Punkt hingehöre, eine kleine Kapelle als Abschluß. Den Punkt könnten alle in einer Gemeinschaftsleistung setzen, nachdem einer allein so große Leistung bewiesen habe. Die Männer zeigten Bereitschaft und gingen bald ans Werk.

Zum Bau wurde kein Architekt bemüht. Der Pfarrer selbst zeichnete den Grundriss: ein regelmäßiges Sechseck. Den Bauplatz schenkte die Familie Peter Bast-Feil, Steine, Sand, Kalk, Zement, später Holz und Dachschiefer wurden freiwillig gebracht.

Schuhkloßenvater und der alte Zirbes wollten um Gottes Lohn das Kapellchen bauen. Ihre Sorge:  Wie bekommen wir das Wasser hin, um den Mörtel anzumachen?

- Dann Stand unter dem Nußbaum am Brünchen beim Pfarrhaus ein Wagen mit großem Wasserfass. Die Schuljungen hatten große Freude, es täglich füllen zu können. Einer, der mit Pferden fuhr, hat den Mauermeistern versprochen, er werde das Wasser anfahren. Er hat das auch gehalten; an manchnen Tagen fuhr er zweimal auf die Höhe. Und die zwei fleißigen Maurer, die schon so maches Gebäude hingestellt hatten, brachten auch hier alle Steine ins Lot.

 

Ein junger Schreiner aus dem Schiwischhaus erstellte den Altar, ein älterer zimmerte ein paar Bänke für die müden Frauen. Ein Junggeselle aus Grewenich zahlte den Preis für die Johannestatue, eine Näherin aus Metzdorf, für die der St. Magdalena. Eine Mutter von neun Kindern hatte gespart für die Pieta. Die Figuren aus festem Terrakotta sind noch so gut wie vor siebzig Jahren. Am Sonntag nach Kreuzerhöhung im Jahre 1904 wurde die Kapelle eingeweiht. Seitdem brennen dort oben die Kerzen.

 

Pfarrer Thielen war 18 Jahre in Mesenich tätig.  Damals und auch noch später ging regelmäßig am Karfreitag und am Fest Kreuzerhöhung von der Kirche aus eine Prozession auf den Kreuzberg. Das ist jetzt nicht mehr der Fall.  Aber Gruppen, Grüppchen und einzelne, auch aus Liersberg und Langsur pilgern noch immer regelmäßig dorthin, besonders in der Fastenzeit.

 

Zwei Kriege hat die Kapelle überdauert, im letzten Krieg zog sich der Kranz der Bunker über Königsberg und Held. Die Bewohner hatten an der Kyll, an der unteren Mosel, auf dem Hochwald ein Unterdach gefunden. Mit ihren Häusern überstand auch die Kapelle die Kriegsfurien.

 

Dann sollte der Kranz der Bunker gesprengt werden. Ein jüngerer französischer Offizier zeigte es dem damaligen Ortsbürgermeister an. „Dann ist es um die Mutter-Gottes-Kapelle geschehen, ein Bunker steht ganz nahe daran“ – „Nehmen Sie die Figuren alle raus;  ich werde leichte Ladung legen lassen; die Kapelle soll stehen bleiben.“ So geschah es. Die Kapelle hat durch die Sprengungen kaum etwas mitbekommen und alles kam wieder in seine Ordnung.

 

Maria Scheuer

Zusätzliche Informationen zu dieser Seite

Aktuell sind 25 Gäste und keine Mitglieder online